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Yves Saint Laurent
 
Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent (* 1. August 1936 in Oran, Algerien; † 1. Juni 2008 in Paris) war ein französischer Modeschöpfer der bis 2002 in Paris tätig war. Saint Laurent wirkte vielfach stilbildend in der Mode, die Fachwelt würdigte ihn als „Revolutionär“ des Modedesigns. Den größten Einfluss hinterließ 1967 seine Kreation eines Hosenanzuges für Frauen, der diese elegant und sachlich zugleich zur Geltung brachte und damit auch emanzipatorisch wirkte.[1]
Saint Laurent war der Sohn von Charles Saint-Laurent, dem Besitzer einer Versicherungsgesellschaft und einer Kinokette, und dessen Frau Lucienne-Andrée, geb. Wilbaux. Die Großeltern beider Familien wiederum kamen aus Elsaß-Lothringen und flohen während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nach Nordafrika. Yves war das älteste Kind und kam ein Jahr nach der Heirat seiner Eltern zur Welt, zwei Töchter, Michèle und Brigitte, folgten. Er wuchs in Oran, Algerien, auf und besuchte dort das Gymnasium bis zum Baccalauréat. Bei einer Theateraufführung von Molières „Critique de l'École des femmes“ (Kritik der Schule der Frauen) entdeckte er seine Leidenschaft für Kostüme. So fertigte er bereits im Alter von elf Jahren Skizzen und Entwürfe für die Bühne an. Die Welt der Mode war für den sanften Saint Laurent auch eine Zuflucht vor dem Mobbing seiner Mitschüler. Saint Laurent war das Lieblingskind seiner Mutter, die französische Modemagazine abonniert hatte und gerne mit ihren Schneidern ihre neuen Kleider besprach.[2]
1953 kam er mit 17 Jahren nach Paris, wo er eine Ausbildung zum Mode- und Bühnenzeichner an der Modeschule der Chambre Syndicale de la Haute Couture absolvierte. Während der Ausbildung gewann er drei Preise bei einem Modezeichner-Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats IWS, darunter der Entwurf eines Cocktailkleides.[2] Seine Modezeichnungen wurden im Magazin Vogue veröffentlicht. Michel de Brunhoff, der Direktor von Vogue, stellte den jungen Designer Christian Dior vor. Bei ihm arbeitete er bis zu dessen Tod im Jahre 1957. Saint Laurent wurde im Alter von 21 Jahren zum Art Director befördert, um das Modehaus vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Im März 1958 lernte Saint Laurent seinen späteren Lebensgefährten und Geschäftspartner Pierre Bergé bei einem Dinner mit der französischen Modejournalistin Marie-Louise Bousquet (Harper's Bazaar) kennen.
1960 wurde er zum Militärdienst nach Algerien eingezogen, wo seit 1955 der Algerienkrieg wütete, und erlitt nach wenigen Tagen einen Nervenzusammenbruch. Er wurde in eine psychiatrische Anstalt überwiesen, wo man ihn mit Elektroschocks und Drogen (Sedativa) behandelte. Eine lebenslange Drogenabhängigkeit war die Folge. Sein Arbeitgeber, das Modehaus Dior, entband ihn daher von seinem Arbeitsvertrag. Bergé dagegen glaubte an Saint Laurents Talent und unternahm alles, um ihn wieder aus der Psychiatrie frei zu bekommen. Dann verklagten Saint Laurent und er Dior wegen Vertragsbruch und erhielten mehr als 100.000 US $ Entschädigung.[3] Mit diesem Startkapital konnte er sich mit Bergé 1961 selbständig machen. Fortan schneiderte Saint Laurent nur noch für das Modehaus Yves Saint Laurent Couture. Der Grafikdesigner A. M. Cassandre steuerte 1963 das Firmenzeichen YSL bei.[4] Das Paar trennte sich 1976 in freundschaftlicher Verbundenheit, doch blieben sie weiterhin Geschäftspartner und Vertraute. Bergé kümmerte sich auch weiterhin um Saint Laurent und stand ihm in seinen schlimmsten Zeiten bei. Kurz vor seinem Tode besiegelten sie mit einer formellen Heirat ihre lebenslange Verbundenheit.
Nachdem sich Saint Laurent 2002 aus dem Modegeschäft zurückgezogen hatte, lebte er weitgehend zurückgezogen in der Villa Majorelle in Marrakesch, in seiner kunstgeschmückten Pariser Wohnung in der Rue de Babylone [5] und im normannischen Château Gabriel in Deauville,[6] dessen Zimmer nach Figuren aus Marcel Prousts Romanzyklus «A la recherche du temps perdu» benannt waren. In den 1990er Jahren verfasste er Prosagedichte im Stil der Chants de Maldoror von Lautréamont.[7] Saint Laurent starb in Paris am 1. Juni 2008 an einem Hirntumor.[8] Seine Asche wurde im Beisein seiner Vertrauten und Mitarbeiter im Rosengarten des Jardin Majorelle seiner Villa in Marrakesch verstreut, die er und Bergé 1980 erworben hatten.[9]
Kollektionen
Saint Laurents erste Kollektion für das Unternehmen Dior «Ligne Trapèze» wurde ein überwältigender, weltweiter Erfolg. Die «Trapezlinie» befreite die Frauen vom Zwang zur Wespentaille und präsentierte sie in anderer Form auf elegante Weise. 1958 zeigte er bei Dior seine erste eigene Kollektion, die als „Op-Art-Mode“ entscheidend die Mode der Zeit beeinflusste. Er befreite die Kostüme ein weiteres Mal, diesmal von Wattierungen und Versteifungen an Taille, Brust und Schultern, ohne jedoch auf die Pracht und die Fülle der Kostüme à la Dior zu verzichten.
Seine Kollektionen galten in den 1960er Jahren teilweise als skandalös. Er war einer der ersten Modeschöpfer, die transparente Stoffe verwendeten (Nude-Look). Seine konsequente Verwendung schwarzer Stoffe und die Verwendung des Materials Jersey fand in den frühen 1960er Jahren wenig Gefallen, bis sich auch dies als Trend durchsetzte. Im Jahr 1965 folgten farbenfrohe, geometrisch gemusterte Kostüme im Stil von Piet Mondrian und 1966 entstand der „Schiwago-Look“ mit ersten transparenten Oberteilen und Trenchcoats. Während der 1960er und 1970er Jahre popularisierte die Firma Modetrends, wie den Beatnik-Look, Tweed-Anzüge, enge Hosen und enge, schenkelhohe Stiefel und 1966 auch den klassischen Hosenanzug für Frauen (Damensmoking). Im selben Jahr eröffnete er in Paris seinen ersten Laden für bezahlbare Prêt-à-porter-Mode (Rive Gauche) und erschloss sich neue Käuferschichten. Er schuf den androgynen Typ in einer Zeit, in der die Weiblichkeit der Frau noch herrschende Doktrin war. 1968 erfand er den Safari-Look; in den siebziger Jahren ließ er sich von russischer Folklore inspirieren. Weitere populär gewordene Entwürfe wurden Ende der 1960er Jahre ein neuartiger „Nostalgie-Look“ und Mitte der 1970er Jahre der „Edel-Bäuerinnen-Look“ in poppigen Farben. Anfang der 1980er Jahre entwarf Saint Laurent Bolero- sowie Liftboyjacken. Seine Duftkreation Opium (1977) [10] avancierte neben Chanel Nº 5 zum international erfolgreichsten Parfum.
Der eher publikumsscheue Couturier und sein Label YSL erlangten internationale Beachtung. Bekannte Musen Saint Laurents waren Loulou de La Falaise, Betty Catroux und Catherine Deneuve. Saint Laurent gehörte zu den ersten Modeschöpfern, die schwarze Models buchten.[11] Weil die Modezeitschrift Vogue sich weigerte, Naomi Campbell auf das Titelblatt der französischen Ausgabe zu setzen, drohte er 1988 der Redaktion mit der Stornierung von Werbeanzeigen.[12] [13] Der Welt der Bühne blieb er seit seinen Kindheitstagen treu, so fertigte er unter anderem für Zizi Jeanmaire, Roland Petit, Rudolf Nurejew und Catherine Deneuve Kostüme an. Saint Laurent ließ sich auch vom Stil der Maler Delacroix, Goya, Matisse, Mondrian, Picasso, van Gogh und Velázquez inspirieren. 1983 wurden Arbeiten von Yves Saint Laurent im New Yorker Metropolitan Museum of Art ausgestellt. Damit war er der erste lebende Modedesigner, dem diese Ehre dort zuteil wurde.
1993 wurde das Modehaus Saint Laurent an den Pharmakonzern Sanofi für nahezu 600 Mio. US-Dollar verkauft. 1999 kaufte Gucci das YSL-Markenzeichen und der amerikanische Modedesigner Tom Ford übernahm die Verantwortung für die Prêt-à-porter-Sparte Yves Saint-Laurent Rive Gauche, während Saint Laurent weiterhin die Haute Couture-Kollektionen gestaltete.
2002 zog sich Yves Saint Laurent mit einem vielbeachteten und betrauerten Modedefilée aus dem Geschäft zurück. Die Prominenz aus der Modewelt und dem kulturellen Leben verabschiedete sich von Saint Laurent. Seine Lieblings-Models Naomi Campbell, Jerry Hall und Laetitia Casta traten ein letztes Mal für ihn auf und Catherine Deneuve sang ein Liebeslied.[14] Mit Saint Laurents Rückzug wurde die Haute Couture Linie des Hauses eingestellt.
Zur Zeit (2008) ist der Italiener Stefano Pilati Designer des Hauses Yves Saint Laurent. Im Jahr 2005 arbeiteten über 900 Angestellte für das Unternehmen und erzielten einen Umsatz von 162 Millionen Euro.[15] Originalkleider und Accessoires von Saint Laurent werden in einem Privatmuseum in dem Pariser Stadtteil La Villette aufbewahrt. Die im Jahr 2004 gegründete Stiftung «Fondation Pierre Bergé - Yves Saint Laurent» konserviert 5.000 Kleider, 15.000 Accessoires und Zeichnungen Saint Laurents bei einer konstanten Temperatur von 18 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 50 %.

 

 

 


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